Holz für helle Köpfe
Holz zeigt sich seit Jahren als prägendes Element zeitgenössischer Inneneinrichtung. Die Ideen für die Anwendung des Materials hören dabei mit seiner Umsetzung in Tisch, Stuhl, Schrank, Regal und Bett nicht auf. Findige Köpfe setzen Holz auch in der Raumbeleuchtung ein und bereichern das Wohnen in der Schweiz mit überraschenden Ideen.
Funktionales Licht in naturnaher Erscheinung
Der Mailänder Designer Matteo Thun achtet auf eines besonders: Nachhaltigkeit. Das wird bei der Leuchte «Arba», entworfen 2009 von Matteo Thun und Antonio Rodriguez für Belux, gleich auf mehreren Ebenen sichtbar. Das verwendete Holz als ökologisch wertvolles Material stammt aus Europa und ist zudem FSC-zertifiziert. Die eingesetzten Leuchtmittel sind energiesparend und schliessen Elektronik auf der Höhe der Zeit ein. Die Gestaltung der Leuchte ist modern, folgt jedoch zugleich einer so klassischen Ästhetik, dass man nicht nur von den Materialien, sondern auch vom Konsumentenverhalten her von einer langen Lebensdauer ausgehen kann. So entsteht ein Produkt, das in seiner Herstellung wie in seinem Gebrauch von Verantwortung für Mensch und Umwelt zeugt – ein Anspruch, den Matteo Thun durchs Band bis hin zu seinen Architekturprojekten verficht, in denen er «Ecotektur» als Synthese von Architektur und Ökologie zu verwirklichen sucht.
Der zylindrische Diffusor von «Arba» bringt bei eingeschaltetem Licht die natürliche Schönheit und Lebendigkeit der Holzmaserung zur Geltung. Der Schirm besteht aus geöltem Ahorn auf einer Trägerschicht aus Papier. Das mit den Jahren etwas dunkler werdende Holz filtert den eher kühlen Schein der Fluoreszenzlampe – eine Lichtqualität, die sich im Heimbereich noch kaum zu etablieren vermocht hat – in ein warmes, behagliches und dennoch kraftvolles Licht, das nicht nur Stimmung schafft; als grosse Pendelleuchte eignet sich «Arba» deshalb auch für Anwendungen in hohen Räumen oder etwa im Bürobereich.
Der Diffusor für die vertikale Beleuchtung ist aus massivem Acrylglas gefertigt und lenkt das Licht ausgewogen und blendfrei. Das Stromkabel aus feuerroter Textilfaser setzt einen starken Akzent. Steh- und Tischleuchte verfügen über einen kabelintegrierten Schalter; die Pendelleuchte kann bauseits gedimmt oder geschaltet werden.
«Arba» gibt es in vier Versionen als Steh-, Tisch-, Pendel- und Wandleuchte. Bei der Steh- und Tischleuchte wird der Leuchtenschirm durch fünf geölte Leisten mit gefasten Kanten gehalten; auch sie sind aus Ahorn und sorgfältig getrocknet, um nachträgliche Krümmungen möglichst auszuschliessen. Ein Stahlseil hält die Pendelleuchte.
Stadtzürcher Design und Zürcher Oberländer Handwerk
Auf den ersten Blick ähnlich wie «Arba» und doch wieder ganz anders präsentiert sich die Leuchtenfamilie des jungen Labels Wald-Haus aus Wald im Zürcher Oberland, das in Handarbeit Kleinserien hochwertiger Möbel und Designobjekte herstellt. Wald-Haus will einfache Formen und natürliche Materialien in zeitlos modernen Objekten vereinen, die funktional überzeugen und zugleich Sinnlichkeit ausstrahlen.
Die Wald-Haus-Leuchtenfamilie, die 2008 in die Designsammlung des Bundesamtes für Kultur aufgenommen und 2009 mit dem red dot design award ausgezeichnet wurde, ist 2007 entstanden. Der Lampenschirm besteht aus glasfaserverstärktem Furnier aus FSC-zertifizierter Esche. Durch die Innenbelegung mit Fasern ist der Schirm ausserordentlich schlagfest, obwohl das Furnier nur gerade 0,6 Millimeter dick ist. Getragen wird er von einem feingliedrigen schwarzen Metallgestell aus pulverbeschichtetem Stahl; das Stoffkabel ist dunkelbraun. In etwa zehn Läden in Zürich, Basel und Lausanne sind die Wald-Haus-Leuchten in sieben verschieden grossen und unterschiedlich proportionierten Versionen als Steh-, Pendel- und Wandleuchte erhältlich. Sie werden mit einem Zugschalter ein- und ausgeschaltet und bringen ein warmes Stimmungslicht in den Wohn- oder Loungebereich.
«Hausgestalter» des Labels Wald-Haus sind Fries & Zumbühl aus Zürich. Die beiden jungen Designer Kevin Fries und Jakob Zumbühl haben nach einer Zeit der losen, projektbezogenen Zusammenarbeit vor sieben Jahren zu einer dauernden Kooperation gefunden und seither für eine Reihe namhafter Kunden sowie in Eigenregie diverse Räume, Möbel und Objekte entworfen.
Die Kreation des Lampenschirms verdankt sich einem überraschenden Technologietransfer aus dem Erfahrungsschatz von Christoph Peller, Inhaber des Labels Wald-Haus. Er ist in der Herstellung handgefertigter Slalom-Skateboards zuhause. Das Know-how, das der zugleich filigranen und zähen Konstruktion des Schirms zugrundeliegt, stammt aus den Furnierpressen, in denen faserverstärkte Schichthölzer für das Freizeitvergnügen der jungen Generation entstehen.
Vom Materialexperiment zum stimmigen Produkt
Das auch in der Deutschschweiz bekannt gewordene Westschweizer Atelier oï, dem sich die dritte hier gezeigte pfiffige Verbindung von Holz und Licht verdankt, pflegt ganz bewusst den Grenzgang zwischen Architektur, Innenausbau, Szenographie und Produktdesign. In einem ehemaligen Motel in La Neuveville, an der Strasse nach Biel, entwerfen Aurel Aebi, Armand Louis und Patrick Reymond mit ihrem Team Uhren und Shops, Ausstellungen und ganze Häuser und sammeln seit 1991, dem Jahr, in dem das kreative Trio zusammengefunden hat, Auszeichnung um Auszeichnung.
Das Atelier oï versteht sich als Laboratorium, in dem Materialforschung betrieben wird, ehe Ideen in verschiedenen Massstäben durchdekliniert werden, um sie an den Punkt zu führen, an dem sie stimmig werden – sei es für die Umsetzung im Grossen oder im Kleinen. Das gilt auch für das Grundprinzip der Leuchte «Plus», die sich mit einem Raumteiler und einer Bank zu einer Produktfamilie für Röthlisberger zusammenschliesst.
Die gebogenen Latten setzten die drei oï-Designer für einen Übergang über die Areuse ebenso ein wie für ein Dach auf der Arteplage Neuenburg der Landesausstellung Expo.02, unter dem einen Sommer lang Konzerte stattfanden. Doch auch in Form von Möbeln für draussen sowie im Innenausbau und im Mobiliar einer Kirche in Biel wurden die elegante, leichte Konstruktion und ihre Leistung als Mittler von Licht erprobt, ehe sie 2007 die Form einer Leuchte annahm.
Die Leuchte «Plus» spannt mit ihren verleimten und gespannten Latten aus roher, massiver Esche je nach Stellung über dem Leuchtzylinder einen rohr- oder kegelförmigen Lichtraum auf, dessen Spitze oben oder unten liegen kann. Je nach Stellung der Hölzer entsteht eine ganz unterschiedliche Wirkung, je nachdem, wie sich Licht und Schatten verdichten. Die raffinierte Einfachheit dieses Entwurfs ist eines der derzeit schönsten Zeugnisse der schöpferischen Energie, die das Material Holz im Wohnbereich auf sich zu ziehen vermag.
Mehr Infos
Näheres zu «Arba» unter www.belux.ch
alles über die Leuchten des Labels Wald-Haus unter www.wald-haus.ch
Infos zu den Leuchten der «Plus»-Reihe von atelier oï finden sich unter www.roethlisberger.ch.
Unter Tel. 044 267 47 83 gibt es bei Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, von Montag bis Freitag jeweils morgens von 8–12 Uhr kostenlos Auskunft zu allen Fragen rund um Holz. Die im April 2010 neu gestaltete Webseite www.lignum.ch gibt vielfältige Informationen zu Holz.

