• Zentrale Bedeutung einer sicheren und nachhaltigen Energieversorgung

Zentrale Bedeutung einer sicheren und nachhaltigen Energieversorgung

15.09.2022 Stefan Aeschi Dipl. Architekt ETH/SIA DAS Wirtschaft FH Experte Bau- und Energietechnik

Die aktuelle geopolitische Lage zeigt, dass ein sorgsamer Umgang mit Energie weit über das Erfüllen rein klimapolitischer Zielsetzungen hinausgeht. Die Verfügbarkeit von Energieträgern und die damit verbundenen Energiekosten unterliegen spürbaren, teils extremen Schwankungen.

Im kommenden Winterhalbjahr steht die Versorgung mit Gas und Strom vor enorm grossen Herausforderungen. Die drohende Energiemangellage trifft Wirtschaft und Bevölkerung, Hauseigentümer genauso wie Mieter. Die Energiepreise sind in den letzten 12 Monaten deutlich angestiegen und haben sich teilweise vervielfacht. Weitere Preisbewegungen nach oben sind auch in den kommenden Monaten wahrscheinlich.

Energiespar-Alliance

Der HEV Schweiz ist Gründungsmitglied der Energiespar-Alliance unter der Führung und Koordination des Bundesamtes für Energie (www.alliance2022-23.ch). Der Verband unterstützt die erforderlichen gemeinsamen Anstrengungen zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit im kommenden Winter und engagiert sich für die Erreichung der wichtigen Zielsetzungen. In diesem Zusammenhang wird der HEV Schweiz auf eine generell sparsame Nutzung der verschiedenen Energieträger sensibilisieren, sachlich über die zahlreichen Sparmöglichkeiten informieren und zum eigenverantwortlichen und aktiven Handeln motivieren.

Zentrale Rolle der Haushalte

Die stetige Zunahme an im Alltag genutzten technischen Geräten und die gestiegene Mobilität sind genauso Gründe für den erhöhten Energiebedarf wie der höhere Wohnkomfort und Lebensstandard mit mehr Wohnfläche bei gleichzeitig weniger Personen pro Haushalt. Hohe Wohnraumansprüche bei einer laufend zunehmenden Bevölkerung erklären, warum in der Schweiz 45 % des Endenergieverbrauchs auf den Gebäudesektor entfallen. Hiervon wiederum fallen 75 % auf Heizungen. Wo viel Energie verbraucht wird, ist eine Mangellage rasch spürbar. Auf der anderen Seite kann aber in vielen Detailbereichen volumenmässig auch viel Energie eingespart werden. Jede Energie, die nicht verbraucht wird, schafft nicht nur eine finanzielle und ökologische Win-Win-Situation, sondern ist auch ein aktiver Beitrag gegen die drohende Mangellage. Das persönliche Verhalten von uns allen hat einen unmittelbaren Einfluss auf den Energieverbrauch und die damit verbundenen Kosten. Bereits mit wenigen, aber gezielten und konsequenten Massnahmen lässt sich Energie sparen und können die Wohnnebenkosten spürbar reduziert werden.

Ausgangslage

Im Winter 2022 / 23 sind in Europa aufgrund des Ukraine-Kriegs, der geringen Verfügbarkeit der Kernkraftwerke in Frankreich und der Trockenheit in Mitteleuropa Gas-Lieferunterbrechungen möglich. Derzeit ist die Versorgungssicherheit in der Schweiz gegeben. Die Verfügbarkeit von Gas zur Stromerzeugung im nächsten Winter ist von grosser Bedeutung. Aufgrund der Befürchtung weiterer Gas-Liefereinschränkungen halten die hohen Preise an, Tendenz steigend. Die Schweiz ist im Winter jeweils auf Stromlieferungen aus dem Ausland angewiesen. Diese könnten aufgrund mangelnder Verfügbarkeit im EU-Raum ausfallen. Alle Mineralölprodukte sind auf dem internationalen Markt erhältlich, und die Versorgung der Schweiz ist gerade noch knapp gewährleistet. Holzenergie ist aktuell sichergestellt und die Versorgungssicherheit wird durch Verbände und Unternehmen laufend analysiert. Auch die Versorgung mit Trinkwasser ist trotz unterdurchschnittlicher Abflussmengen aus Oberflächengewässern und tiefer Pegelstände des Grundwassers gewährleistet. Für die Mangellage von Strom um Gas gibt es je vier Szenarien.

Szenarien der Strommangellage

Aktuell befinden wir uns in der Phase des Szenario 1, der Überwachung der Versorgungslage und der Sensibilisierung der Bevölkerung. Szenario 2 beinhaltet eine Alarmierung und erhöhte Bereitschaft mit Spar- Appellen an Verbraucher und freiwillige Sparmassnahmen. Szenario 3 sieht den Antrag zur Inkraftsetzung einer Bewirtschaftungsverordnung mit konkreten Entscheiden zur Inkraftsetzung von Bewirtschaftungsmassnahmen vor. Szenario 4 setzt die Bewirtschaftungsverordnung um, wobei die Massnahmen situationsabhängig, einzeln oder kombiniert, jedoch nicht gleichzeitig, ergriffen werden – jeweils mit dem Ziel eines geordneten gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Szenarien der Gasmangellage

Szenario 1 beschreibt den Status quo: Gas fliesst in normalem Ausmass in die Schweiz, das absehbare Risiko betreffend Reduktionen (Nordstream 1) ist jedoch bereits eingetroffen. Die drohende Mangellage in Szenario 2 geht davon aus, dass sich – obwohl weiterhin Gas in die Schweiz fliesst – die Versorgungslage weiter verschlechtert und der Gasbezug bereits im Sommerhalbjahr aus Speichern erfolgen wird. Szenario 3 beschreibt den Eintritt der Mangellage und geht davon aus, dass die Gaslieferungen um bis zu 20 % reduziert werden und somit keine Bedarfsdeckung mehr vorhanden ist. In Szenario 4 dauert die Mangellage gemäss Szenario 3 weiter an und das Gasdefizit erhöht sich auf über 20 %.

Energiemangellage

Zeitungsartikel zum Thema im «Schweizerischen Hauseigentümer» Im Rahmen einer Serie mit verschiedenen Beiträgen zum Thema Energiemangellage, Versorgungssicherheit, Energieverbrauch und Sparmöglichkeiten widmet sich der HEV Schweiz der jeweils aktuellen Lage, den Massnahmen zur Stärkung der Versorgungssicherheit auf Bundesebene und spezifischen, handfesten und konkreten Energiespartipps. Der Schweizerische Hauseigentümerverband hat dabei stets den Bereich des Wohnens bzw. der Haushalte im Blick.